|
Als Geheimkuriere zwischen Berlin und Stockholm |
|
Wer im Sommer die Ausstellung „Berliner Arbeiterwiderstand 1942-1945“ im Foyer der Kommode am Bebelplatz besucht hat, der wird sicherlich erstaunt gewesen sein, dass in der bildreichen Dokumentation über die etwa 500 Mitstreiter der größten Widerstandsgruppe in Berlin, der Saefkow-Jacob-Bästlein-Gruppe, auch zwei Schweden zu finden waren. Und zwar Arvid Lundgren und Arne Karlsson, die als Kraftfahrer während des Krieges an der Berliner Botschaft Schwedens beschäftigt gewesen sind und die für den antifaschistischen Widerstand in Deutschland wertvolle geheime Kurierdienste leisteten, u. a. auch über das Raketenprogramm der Nazis in Peenemünde. Ich hatte 1985 in Stockholm Gelegenheit, mit Arvid Lundgren über seine Motive zu sprechen, sich selbstlos in den Dienst des Kampfes des deutschen Widerstands zu stellen. Der bescheidene Mann sagte mir damals, das liege an seiner Einstellung. Er habe bereits bei seinen Besuchen in Berlin in den 30-er Jahren freundschaftliche Verbindungen mit deutschen Antifaschisten gehabt, weil ihm als linken Sozialdemokraten nicht gleichgültig war, was in dem südlichen Nachbarland Schwedens passiert. Als er dann 1943 als Kraftfahrer an die Botschaft seines Landes nach Berlin kam,
konnte er über seinen Freund Georg Leichtmann Kontakt mit der Widerstandsgruppe Saefkow-Jacob-Bästlein aufnehmen. „Ich war mir selbst darüber im klaren, dass ich mit dem Tode spielte“, erzählte Lundgren mir, „aber ich wollte etwas gegen die Braune Gefahr, gegen Krieg und Faschismus tun. Dabei erschien es mir egal, ob einer nun Sozialdemokrat, Kommunist oder bürgerlicher Einstellung ist!“ So leistete er durch seine Fahrten nach Stockholm bis 1944 wertvolle Kurierdienste, zumal auch seine Wohnung als relativ sicher galt. Einmal musste er hier auch einen Vervielfältigungsapparat verstecken, weil die Gestapo bei Verdächtigen der Gruppe Haussuchungen durchführte. Sein Nachfolger als Kraftfahrer war dann Arne Karlsson, ein junger Sozialdemokrat, der bereit war, die Verbindungen mit der Widerstandsgruppe aufrecht zu erhalten.
Es ist Dr. Bärbel Schindler-Saefkow und Dr. Hans Coppi von der VVN-BdA, den Kindern der ermordeten deutschen Widerstandskämpfer, zu verdanken, dass diese umfangreiche und eindrucksvolle Ausstellung über den heute etwas in Vergessenheit geratenen Widerstand der Berliner Arbeiter zustande kam. Und für uns als Deutsch-Schwedische Gesellschaft ist es schön zu wissen, dass auch zwei Schweden dabei gewesen sind.
Jochen Preußler |