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Mit finnischen Augen auf Schweden geschaut |
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Es war erstaunlich und erheiternd zugleich, wie der finnische Blick auf Schweden den eigenen, deutschen Blick bestätigte.
Krieg, Nachkrieg, Rücksicht auf Verträge mit der Sowjetunion und Abhängigkeit von den Befindlichkeiten der Großmächte, alles das haben Deutschland und Finnland gemeinsam – in besonderer Ausprägung die ehemalige DDR. So auch den Neid auf das erfolgreiche „Schwedische Modell“ und das wohlhabende und freizügige Leben seiner Bürger. Aber die Augen Dr. Nils Erik Forsgårds schweiften über das gesamte große schwedische Reich, ohne Täler und tiefe Seen auszulassen. Dr. Forsgård schaffte es, Aufmerksamkeit und Neugierde seiner mehr als 40 Zuhörer vom ersten bis zum letzten Wort seines Vortrages auf sich zu konzentrieren. 700 Jahre gemeinsamer finnisch-schwedischer Geschichte haben ein besonderes Verhältnis beider Länder hervorgebracht, welches Dr. Forsgård als „Geschwistergesellschaften“ bezeichnete. Selbst in den bekanntermaßen sehr unterschiedlichen Sprachen und im Alltagsleben gibt es parallele Entwicklungen, Gemeinsamkeiten, fast identische Anschauungen und sich spiegelnde Vorbehalte – eben eine nordische „Wertegemeinschaft“. Dr. Forsgård führte für die Richtigkeit seiner Thesen viele Belege und Beispiele an. Sehr zum Vergnügen seiner Zuhörer gab er auch Schnurren und Anekdoten zum Besten, die uns den Umgang des nordischen Geschwisterpaares miteinander nachvollziehbarer machten. Dazu gehört neben dem neidvollen Blick auf die Erfolge des großen Bruders Schweden durchaus auch Zank und Streit, die Suche nach dem richtigen Weg – deutlich gemacht von Dr. Forsgård am Beispiel einiger außenpolitischer Vorgänge und Entwicklungen. Z. B. reagierten und agierten beide Länder unterschiedlich auf die Veränderungen in den 90-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Aber mit dem für beide Länder positiven Ergebnis gefestigter gemeinsamer nordischer Positionen in neuen Allianzen. Die anschließende muntere Diskussion wies in fast alle denkbare Richtungen und belegte, wie groß das Interesse der Zuhörer und wie anregend der Vortrag war.
Die Veranstaltung war eine gelungene Kooperation der Finnlandschwedischen Gedankenschmiede MAGMA – vertreten durch den Referenten Dr. Forsgård, unserer Deutsch-Schwedischen Gesellschaft Berlin e. V. und dem Finnland-Institut. Die Veranstaltung fand in den Räumen des Finnland-Instituts statt, dem einzigen nordischen Kulturzentrum in Berlin. Wir wurden freundlichst umsorgt von den Mitarbeiterinnen des Instituts und bedanken uns für die Gastfreundschaft.
PD Dr. habil. Peter Folmert |