Ich wollte unseren nördlichen Nachbarn kennen lernen von Grit Herold
Ich wusste eigentlich kaum etwas über Schweden und kannte das Land nur von Bildern und ich unterhielt mich nur rein zufällig mal mit Ingolf Hillmann, dessen Eltern einige Jahre in Schweden gearbeitet haben über mein ständig wachsendes Interesse an diesem Land. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nur eines, dass ich unbedingt hinfahren wollte. Mit einer Freundin ging es an einem Freitagabend los, mit dem Zug nach Saßnitz, mit der Nachtfähre nach Trelleborg, dort 6 Stunden Aufenthalt und wieder zurück. Es war eigentlich purer Stress und ich war erschrocken, wie teuer alles war – aber Schweden hatte mich gefangen. Anfang Januar 1990, in den Zeiten der Wende, schaute Ingolf in mein Büro und erzählte mir, dass am 20. Januar die „Liga für Völkerfreundschaft“ ihre Türen für Interessierte öffnet. Eigentlich hatte ich gar keine Zeit, mein Bruder feierte seinen Geburtstag, aber ich musste zu dieser Veranstaltung, war es doch meine Chance, mehr zu erfahren über meine „kleine Leidenschaft“. Es waren so viele Leute gekommen, aus Dresden, Jena, Greifswald und vielen anderen Städten und jeder sprühte vor Begeisterung und Tatendrang.
Nach dem offiziellen Teil fand man sich nach Städten zusammen und die Idee unserer Vereinsgründung wurde geboren. Wir begannen mit Vorträgen und rührten die Werbetrommel zwecks Mitgliederzuwachs. Und es funktionierte, der Verein wuchs und wuchs. Bei der ersten Mittsommerfeier am 23.6.1990 wurde dann unser Verein endlich gegründet und alles bekam einen offiziellen Charakter. Im Vorstand wurde die Arbeit, wie auch heute noch, nach den Fähigkeiten aufgeteilt. Wir wurden noch nach bestehendem DDR-Recht registriert und wir durchlebten mit unseren damals noch geringen Finanzen die Währungsunion. Gleich im Gründungsjahr erhielt ich die Chance zum „Treffen der Ostsee-Anliegerstaaten“ nach Bornholm zu fahren - ein unvergessliches Erlebnis. Finnen, Norweger, Schweden, Russen, Polen, Deutsche ... alle freundschaftlich verbunden, einfach toll. Woher die zwei Chilenen von diesem Treffen wussten, rätsele ich heute noch, leider sprachen sie kein Englisch. Zurück in der noch existierenden DDR kämpften wir bald mit den Problemen der Wiedervereinigung. Es begann damit, dass wir ein neues Vereinszentrum suchen mussten. Nach einigen „Notunterkünften“ fanden wir dank Ingolf unser neues Heim. Klaus Brenner nahm uns liebevoll in seinem „Sportlereck“ in Berlin-Mitte, Gartenstraße 6, auf. Nachdem wir nochmals, diesmal nach bundesdeutschem Recht, registriert worden waren, stand unserem Tatendrang nichts mehr im Wege. Jedes neue Mitglied brachte Ideen mit und bald hatten wir ein festes Programm. Viele Veranstaltungen sind mittlerweile zur Tradition geworden, z. B. Stammtische, die Himmelfahrts-Exkursion, Martinsgans, Lucia u. a. Heute haben wir über 100 Mitglieder, daran wagten wir 1990 nicht zu denken. Wir können auf 10 wundervolle Vereinsjahre stolz zurückblicken, denn jeder einzelne von uns hat seinen Teil dazu beigetragen, dass der „Freundeskreis Berlin - Schweden e.V.“ ein von vielen Seiten anerkannter Verein ist. Ich persönlich jedenfalls freue mich auf die nächsten 10 Jahre.
Ein munteres Kind der Wende von Dr. Jochen Reinert
Unser Freundeskreis Berlin - Schweden e.V. ist buchstäblich ein Kind der Wende und der nachfolgenden dramatischen Veränderungen in der DDR. Der Wandel im Osten Deutschlands hatte
sogleich auch die Friedens- und Freundschaftsbewegung erfasst – die bisherigen Strukturen kamen auf den Prüfstand und wurden als zu starr, zu geschlossen und zu sehr von oben
reglementiert verworfen. So oder so ähnlich äußerten sich auch die vielen neuen Schweden-Enthusiasten aus den verschiedensten Ecken, die im Januar 1990 zur Öffnung und
Neubegründung der Freundschaftsgesellschaft DDR-Schweden zusammenkamen – eine Auffassung, die auch die meisten derjenigen teilten, die bis dahin auf verschiedene Weise freundschaftliche
Kontakte zu Schweden förderten. Der demokratische Wandel in der DDR machte alsbald Schluss mit der bis dato geübten Praxis, dass die Freundschaftsgesellschaften lediglich aus einem
„Kopf“ bestanden, das heißt fast ausschließlich aus delegierten Vertretern verschiedener Organisationen, aber keinen „Körper“ hatten, sprich freiwillige
Mitglieder in größerer Zahl. Diesen Wandel haben auch die neuen und alten Ostberliner Schweden-Freunde mit bewirkt, die alsbald – angesichts der deutschen Vereinigung – zu
Mittsommer des gleichen Jahres einen selbständigen lokalen Verein bildeten. Doch anders als etwa im Falle Finnland oder Indien gab es im Westteil der Stadt keine deutsch-schwedische Gruppe,
mit der sie sich hätten zusammentun können. So blieb der neue Freundeskreis Berlin - Schweden weitgehend ein „Kind des Ostens“ – der indes in alle Windrichtungen offen
ist, zunehmend auch West-Mitglieder willkommen heißt, und namentlich durch die ersprießliche Zusammenarbeit mit der schwedischen Victoria-Gemeinde wichtige Impulse erhält. So war
das Gründungsjahr des Freundeskreises für mich, der mehrere Jahre als Nordeuropa-Korrespondent in Stockholm arbeitete, in doppelter Hinsicht ein Meilenstein: Zum einen konnte unsere
Familie von nun an Schweden besuchen, wann immer wir wollten, und zum anderen konnten wir uns nun ohne jegliche Reglementierung mit Gleichgesinnten zu Vorträgen und Debatten über
Schweden, zu Mittsommer- oder Lucia-Festen treffen. Der Freundeskreis wurde mit seinem Anliegen, die deutsch-schwedischen Verbindungen zu fördern, zu einem anregenden und nicht selten sehr
munteren Begegnungsort, einem Stück geistiger Heimat, das wir nicht missen möchten.
Und so bleibt zu seinem 10-jährigen Jubiläum nur noch zu sagen: Länge leve
föreningen Berlin - Sverige; skål !
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Der Berliner Karikaturist Harald Kretschmar hatte diese Zeichnung dem 10-jährigen Jubiläum unserer Gesellschaft gewidmet
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Höhepunkte in unserem Vereinsleben 1990 – 2007
Die Jahre von 1990 bis heute waren reich an vielseitigen interessanten Veranstaltungen. Wir möchten an dieser Stelle nur einige hervorheben: So die Teilnahme unseres Freundeskreises an den schwedischen Kulturtagen 1992, die mehrjährige Arbeit des Nordischen Kontakt- und Informationsbüros unter Martina Höbler, die Dichterlesung mit Jan Myrdal in der Victoria-Gemeinde, für die, da so viele Besucher, uns der Pfarrer sogar den Kirchensaal zur Verfügung stellte, das gemeinsame Strandfest mit der Trelleborger Freundschaftsgesellschaft sowie die anderen freundschaftlichen Zusammenkünfte mit schwedisch-deutschen Gesellschaften in Göteborg und Lund, die Treffen mit einigen der 17 deutsch-schwedischen Gesellschaften in Oldenburg und Berlin, letzteres anlässlich der Grundsteinlegung der neuen skandinavischen Botschaften im Tiergarten in Berlin, die Teilnahme an der Schwedischen Woche im Berliner Europa-Center. Dann die große Skandinavien-Ausstellung „Wahlverwandtschaft – Skandinavien und Deutschland – 1800 bis 1914“ im Deutschen Historischen Museum, die von Königin Silvia eröffnet wurde, die aktive Teilnahme an der feierlichen Namensgebung der Raoul-Wallenberg- und der Olof-Palme-Oberschule, für die letztere hielten wir den Gedenkvortrag, bauten eine Olof-Palme-Ausstellung auf und schenkten sie der Schule. Für Joakim Palme, der an der Namensgebung teilnahm, organisierten wir eine Stadtrundfahrt. Ein absoluter Höhepunkt in unserer Tätigkeit war die Führung durch die neuen skandinavischen Botschaften im Tiergarten und der Besuch des Festkonzerts in der Berliner Philharmonie unter Teilnahme der nordischen Königspaare und Staatsoberhäupter im Jahr 1999. In den folgenden beiden Jahren zählten die Exkursionen nach Gotland und Falsterbo zu weiteren Höhepunkten des Vereinslebens. Im Juni 2005 konnte der 15. Jahrestag der Gründung unserer Gesellschaft gefeiert werden. In der Bilanz der weiteren vielseitigen Aktivitäten sind mehrer Treffen im Felleshus der Nordischen Botschaften mit dem Botschafter Carl Tham, dem Gesandten Gösta Grassman und dem Kulturrat und Schriftsteller Aris Fioretos zu erwähnen, die wunderbaren Himmelfahrtsexkursionen nach Ystad und Helsingborg, die Midsommarfeiern am Mellensee und am Karbuschsee, die Teilnahme am 100. Jubiläum der Schwedischen Victoria-Gemeinde im Berliner Dom, bei dem auch das Königspaar anwesend war, die Kräftskiva vor den Schössen Petzow und Hubertusburg in der herrlichen Märkischen Seenlandschaft, die Begegnungen mit anderen Freundschaftsgesellschaften und auch mit der Schwedisch-Deutschen Gesellschaft aus Trelleborg. Hervorzuheben in dieser 15-Jahresbilanz ist auch die Herausgabe unseres Informationsblattes, das sich von einem einfachen Programm-Blättchen zu einer kleinen interessanten Mitgliederzeitung mit gleichbleibender guter Qualität entwickelt hat und dessen 25. Ausgabe im September 1999 erschien. Inzwischen hat es den Namen „BERLINBLADET“ erhalten. Dafür besonders Dietmar Gurisch, Claus Wolf und Annelie Scheibe vielen Dank. Als großen Erfolg möchten wir auch die völlige Überarbeitung und Neuherausgabe unseres kleinen Berliner Reiseführers speziell für schwedische Besucher - „Berlin på svenska“ - nennen, für die vor allem Erwin und Christa Runge der Dank gebührt. Seit dem Jahre 2000 unterhält der Freundeskreis auch eine eigene Homepage die von Martin Höbler betreut wird. Regelmäßig gibt der Vorstand „Elektronische Rundbriefe“ heraus, in denen über aktuelle Veranstaltungen der Schwedischen Botschaft, der Schwedischen Victoria-Gemeinde, des Nordeuropa-Instituts der Berliner Humboldt-Universität sowie anderer Institutionen informiert wird. Die Briefe erreichen bisher über Internet etwa 65 Prozent unserer Mitglieder. Auf der Jahresversammlung am 2. Februar 2007 wurde Jochen Preußler, der 15 Jahre die Geschicke der Gesellschaft leitete, als Ehrenvorsitzender gewählt. Er wird aber weiter wichtige Aufgaben übernehmen. Als neuer Vorsitzender übernahm Dr. Jochen Reinert sein Amt. Gleichzeitig wurde beschlossen, die Umbenennung des Vereins in "Deutsch-Schwedische Gesellschaft Berlin" in Angriff zu nehmen. |